8. „Zahl des Monats“ Oktober:

Die Prävalenz der Hypertonie war im Jahr 2018 in Ostdeutschland um 6 Prozentpunkte höher als in Westdeutschland.1

Dies hat eine Untersuchung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland ergeben. Um die Entwicklung der aktuellen Diagnoseprävalenz insgesamt zu bestimmen sowie geografische Unterschiede zu analysieren, wurde die jährliche Diagnoseprävalenz für die Jahre 2009 bis 2018 sowohl auf Bundesebene als auch auf Ebene der Kassenärztlichen Vereinigungen ermittelt.* Als Datengrundlage dienten die vertragsärztlichen Abrechnungen in diesem Zeitraum. Insgesamt wurde im Jahr 2018 bei 19 Mio. gesetzlich Versicherten (26,3 %) eine Hypertonie diagnostiziert. Die standardisierte Prävalenz lag in Westdeutschland bei 24,0 %, in Ostdeutschland dagegen bei 30,3 %. Diese regionalen Variationen heben die Notwendigkeit einer bedarfsgerechten Versorgung und Primärprävention hervor.

* Als „prävalent“ definiert war das Vorliegen einer Hypertonie-Diagnose in mindestens zwei Quartalen desselben Kalenderjahres.

Quelle:
1 Holstiege J et al. Diagnoseprävalenz der Hypertonie in der vertragsärztlichen Versorgung – aktuelle deutschlandweite Kennzahlen. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Versorgungsatlas-Bericht Nr. 20/01. Berlin 2020. doi: 10.20364/VA-20.01
7. „Zahl des Monats“ September:

Regelmäßige körperliche Aktivität kann das Risiko der kardiovaskulären sowie der gesamten Mortalität um bis zu 20–30 % reduzieren.1,2

Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und kardiovaskulärer Mortalität unter anderem von einer Meta-Analyse, die 36 Studien aus den Jahren von 1981 bis 2014 auswertete. Ein zentrales Ergebnis: Ausgehend von Inaktivität war eine Steigerung des Maßes an sportlicher Betätigung hin zum Erreichen des empfohlenen Levels (wöchentlich 150 Minuten aerober Aktivität mittlerer Intensität) mit einem um 23 % reduzierten Risiko für CVD-Mortalität assoziiert.1 Die günstigen Effekte von regelmäßiger körperlicher Aktivität auf Mortalität und CVD-Risiko können dabei auch über Länder unterschiedlicher Einkommensniveaus hinweg beobachten werden, wie eine prospektive Kohortenstudie (n = 130.843) zeigte.2 Die Steigerung der körperlichen Bewegung stellt also global eine einfach anwendbare und kostengünstige Strategie zur Reduktion der Mortalität und CVD dar. Empfehlungen für Patienten mit bereits bestehender CVD hat die ESC kürzlich in Form einer Leitlinie zur Sportkardiologie3 verfasst.

Quellen:
1 Wahid A et al. Quantifying the association between physical activity and cardiovascular disease and diabetes: a systematic review and meta-analysis. J Am Heart Assoc 2016; 5: e002495
2 Lear AS et al. The effect of physical activity on mortality and cardiovascular disease in 130000 people from 17 high-income, middle-income, and low-income countries: the PURE study. Lancet 2017; 390: 2643–2654 Pelliccia A et al. 2020 ESC Guidelines on sports cardiology and exercise in patients with cardiovascular disease. Eur Hear J 2021; 42: 17–96
3 Pelliccia A et al. 2020 ESC Guidelines on sports cardiology and exercise in patients with cardiovascular disease. Eur Hear J 2021; 42: 17–96
6. „Zahl des Monats“ August:

Rund 25 Millionen Menschen und somit fast jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat einen ärztlich diagnostizierten Bluthochdruck1

Zu diesem Ergebnis kam ein altersstandardisierter Vergleich zweier Bundes-Gesundheitssurveys. Während der individuelle systolische und diastolische Blutdruck bei den 18–79-Jährigen von 1998–2008 gesunken ist, ist die Prävalenz der Hypertonie fast unverändert hoch: Fast jeder dritte Erwachsene ist betroffen; in der Altersgruppe der 70–79-Jährigen sind es sogar drei von vier. Zwar wissen heute deutlich mehr Betroffene (80 %) von ihrer Hypertonie als noch 1998 (70 %), allerdings zeigte die Vergleichsstudie auch deutlich, dass das gesellschaftliche Hypertonie-Management noch ausbaufähig ist: Immerhin noch jeder fünfte Erwachsene weiß nichts von seiner Hypertonie, und insbesondere bei jungen Männern (18–29 Jahre) haben sich Bekanntheit und Kontrollgrad des Bluthochdrucks nicht verbessert. Aufgrund des durch Hypertonie erhöhten Risikos für verschiedenste Folgeerkrankungen von KHK bis Demenz bleibt das Präventionspotenzial daher hoch.

Quellen:
1 Robert-Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 5/2015. Aktuelle Daten und Informationen zu Infektionskrankheiten und Public Health. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2015/Ausgaben/05_15.pdf?__blob=publicationFile. Letzter Zugriff am 19.07.2021
5. „Zahl des Monats“ Juli:

90.000 der Todesfälle könnten bei optimaler Therapie aller Bluthochdruck-Betroffenen vermieden werden (1)

Laut der Deutschen Hochdruckliga e.V. wird nur jeder zweite Patient mit Bluthochdruck derzeit erfolgreich behandelt. Dies liegt vor allem an der teils unregelmäßigen Einnahme der Medikamente, die auf die hohe Tablettenlast der Patienten zurückzuführen ist. Zudem wird eine ausreichende Blutdrucksenkung oftmals nicht erreicht. Daher empfiehlt die aktuelle Hypertonie-Leitlinie, schon initial mit einer Zweifachkombination zu behandeln. (2) Um der Leitlinien-Empfehlung gerecht zu werden und gleichzeitig die Tablettenlast zu reduzieren, bieten sich Fixkombinationen mit zwei Wirkstoffen in einer Tablette bzw. Kapsel an. Allein die Hälfte aller Schlaganfälle und Herzinfarkte könnte durch die rechtzeitige und adäquate Behandlung von Bluthochdruck vermieden werden.

Quellen:
1) Deutsch Hochdruckliga e.V. (2019): https://www.hochdruckliga.de/pressemitteilung/regelmaessige-blutdruckmessungen-koennten-pro-jahr-ueber-90000-menschen-das-leben-retten (zuletzt aufgerufen am 02.07.2021)
2) Williams B et al. ESC/ESH Guidelines for the management of arterial hypertension. Eur Heart J 2018; 39: 3021–3104
4. „Zahl des Monats“ Juni:

Bei einem Blutdruck ≥ 150 mmHg im Alter von 50 Jahren ist das Demenzrisiko mehr als verdoppelt

Schon ein systolischer Blutdruck von ≥ 130 mmHg in diesem Alter geht offenbar mit einem um 38 % erhöhten Risiko einher, an Demenz zu erkranken. Aber nicht nur die Höhe des systolischen Blutdrucks spielt eine Rolle, sondern auch die Dauer der Hypertonie: Längere Exposition gegenüber Bluthochdruck in der mittleren Lebensphase ist mit einem höheren Demenzrisiko assoziiert. Zu diesen Ergebnissen ist eine britische Längsschnittstudie gekommen, die unter anderem den Zusammenhang zwischen diastolischem und systolischem Blutdruck im Alter von 50, 60 und 70 Jahren und dem Auftreten von Demenz untersuchte. Hierfür wurde bei 8639 Männern und Frauen in den Jahren 1985, 1991, 1997 und 2003 jeweils der systolische und diastolische Blutdruck gemessen und die Häufigkeit von Demenz, die mittels elektronischer Gesundheitsakten ermittelt wurde, bis 2017 nachverfolgt. Die gute Nachricht: Eine im höheren Alter auftretende Hypertonie scheint das Demenzrisiko nicht zu erhöhen.

Quelle:
Abell JG et al. Association between systolic blood pressure and dementia in the Whitehall II cohort study: role of age, duration, and threshold used to define hypertension. Eur Heart J 2018; 39: 3119–3125
3. „Zahl des Monats“ Mai:

Die familiäre/primäre Hypercholesterinämie führt im Mittel zu einem Verlust von 15 bis 21 Lebensjahren

Unbehandelte Patienten mit familiärer Hypercholesterinämie (FH) haben ein erhöhtes Risiko für einen vorzeitigen kardiovaskulären Tod. In einer norwegischen Studie wurden Sterblichkeit und Todesursache bei allen Patienten mit diagnostizierter FH untersucht, indem Daten aus dem Register der „Unit for Cardiac and Cardiovascular Genetics“ (UCCG) und dem norwegischen Todesursachenregister miteinander verknüpft wurden. Bei 46 % aller im Studienzeitraum beobachteten Todesfälle war bei FH-Patienten CVD verantwortlich, im Vergleich zu 37 % in der norwegischen Allgemeinbevölkerung im Jahr 2010. Das Durchschnittsalter der CVD-Todesfälle unter den FH-Patienten im UCCG-Register betrug 62,2 Jahre; das der CVD-Todesfälle in der Allgemeinbevölkerung dagegen war viel höher: Es betrug 79,0 Jahre von 1992 bis 1995 und 81,0 Jahre von 1996 bis 2010. FH-Patienten haben also trotz Zugangs zu moderner Ernährungsberatung und verschriebenen lipidsenkenden Medikamenten immer noch eine signifikant erhöhte CVD-Mortalität im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung.

Quelle:
Mundal L et al., “Mortality among patients with familial hypercholesterolemia: A registry-based study in norway, 1992-2010,” J. Am. Heart Assoc., 2014;3(6): e001236. doi: 10.1161/JAHA.114.001236
2. „Zahl des Monats“ April:

Über 60% der Patienten mit Hypertonie weisen erhöhte Cholesterinwerte auf

Die National Health and Nutrition Examination Survey, eine repräsentative Stichprobe der US-Zivilbevölkerung, ergab zudem: Die Prävalenz der Hypertonie stieg in den USA von 27,2 % in den Jahren 1988 bis 1994 auf 32,8 % in den Jahren 2005 bis 2010 (in absoluten Zahlen: von 49,8 Millionen auf 69,3 Millionen). Durch Bluthochdruck wird das Risiko von koronarer Herzkrankheit (KHK) in etwa verdoppelt, die Behandlung der Hypertonie senkt das KHK-Risiko allerdings nur um ≈ 25 %. Die Therapie der Hypercholesterinämie bei Hypertonikern reduziert das KHK-Restrisiko dagegen um über 35 %. Für die KHK-Prävention ist daher die Kontrolle sowohl der Hypertonie als auch der Hypercholesterinämie wichtig. Der stärkste positive Prädiktor für LDL-C-Kontrolle war über alle Zeiträume zusammen betrachtet die Statintherapie. Die Daten deuten darauf hin, dass eine effektive Behandlung sowohl der Hypertonie als auch der Hypercholesterinämie die KHK um ≥ 50 % reduzieren und das Restrisiko verringern würde, das beobachtet wird, wenn nur die Hypertonie behandelt wird.

Quelle:
Egan BM et al. Blood pressure and cholesterol control in hypertensive hypercholesterolemic patients: national health and nutrition examination surveys 1988-2010. Circulation 2013;128(1):29–41
1. „Zahl des Monats“ März:

Influenza erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt bis zu 10-fach

Dies ergab eine selbstkontrollierte Fallserienanalyse von anonymisierten elektronischen Gesundheitsakten in Schottland. Die Studie zeigte eine ausgeprägte kardiovaskuläre Triggerwirkung nicht nur des Influenza-Virus, sondern auch von S. pneumoniae: In der Woche nach einer Infektion mit einem der beiden Viren wurden bei den Betroffenen deutlich erhöhte Myokardinfarktraten festgestellt. Das Influenzavirus war dabei mit höheren Inzidenzraten für Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden als alle anderen Atemwegsviren zusammen. Allerdings gibt es mit Impfungen probate Mittel zur Prävention dieser unerwünschten Ereignisse. Eine Meta-Analyse zur Grippeimpfung bei Menschen mit bestehenden kardiovaskulären Erkrankungen zeigte eine 36-prozentige Verringerung des Risikos für schwere kardiovaskuläre Ereignisse. Die Erkenntnis, dass sowohl Influenzaviren als auch S. pneumoniae spezifische Triggereffekte auf Herzinfarkt und Schlaganfall haben, unterstreichen daher die Notwendigkeit, die Inanspruchnahme von Influenza- und Pneumokokkenimpfstoffen zu fördern.

Quelle:
Warren-Gush C et al. Laboratory-confirmed respiratory infections as triggers for acute myo- cardial infarction and stroke: a selfcontrolled case series analysis of national linked datasets from Scotland. Eur Respir J 2018;51:1701794. https://doi.org/10.1183/13993003.01794-2017
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